Salvatorianerinnen in Südtirol

Unsere Sorge gilt stets dem Heil des ganzen Menschen ...denn die Liebe Christi drängt uns

„Die Bibel hat mein Herz ausgebildet“

Radiosendung am 11.06. 2012 zum Jahresthema

„Wir glauben, darum reden wir – durch Wort und Tat"

„Die Bibel hat mein Herz ausgebildet". Diese Aussage stammt von Rainer Maria Rilke.
Eine großartige Aussage und darauf kommt es in unserem Leben an, auf die Ausbildung des Herzens. Denn wir möchten wahrscheinlich alle in unserer Persönlichkeit wachsen um ein erfülltes Lebens zu haben und da spielt die Ausbildung des Herzens eine der wichtigsten Rollen. Bis zum letzten Atemzug bleiben wir in der Ausbildung des Herzens Lernende. Unsere Lebenssituationen ändern sich fortlaufend bis zum letzten Atemzug und sie fordern uns ständig neu heraus.
So bleibt die Frage an mich, an jede/jeden von uns: Was ist meine Grundlage aus welcher Quelle schöpfe ich für die Ausbildung des Herzens oder was nährt mich und gibt mir dazu die Kraft? Wovon bin ich beeinflusst oder lasse mich beeinflussen? Wo und wie suche ich, an was oder an wen orientiere ich mich?
Manche Menschen verlassen sich auf ihr Horoskop. Andere schwören auf Traumbücher. Es gibt auch solche, die aus den Karten oder aus den Händen ihr Schicksal lesen. Ja sogar der Kaminkehrer und die schwarze Katze oder der zerbrochene Spiegel, das alles und vieles andere mehr ist für manche Menschen bedeutungsvoll.
Der Schriftsteller Rainer Maria Rilke sagt ganz und klar eindeutig, dass für ihn die Bibel Maßstab und Richtschnur ist. Das heißt für mich, dass sein Herz vom Inhalt der Bibel angerührt wurde. Er verlässt sich auf das Wort Gottes, das sein Herz in Bewegung gebracht hat. So konnte in seinem Herzen etwas passieren und zur Überzeugung werden und zwar immer wieder. Er sagt ja: die Bibel hat sein Herz ausgebildet. Ausbildung ist ein langer Prozess, eben ein Lebenslanger.

Meine Erfahrung mit dem Wort Gottes ist, dass mir Gott immer etwas Wichtiges, etwas Tröstliches, eine frohe Botschaft zu sagen hat. Dass mich sein Wort führt. Dass mich sein Wort stärkt. Dass sein Wort Leben und Hilfe ist. Das ist keine neue Entdeckung. Es ist nicht meine Erfindung, sondern eine alte Erfahrung, ja uralte Erfahrung. Auch das kann ich in der Bibel nachlesen. Unzählige Menschen erzählen in der Bibel von ihren Höhen und Tiefen, von Leben und Tod, von Hilfe und Ausweglosigkeit, von Versagen, Vergebung, vom Ringen und Fragen usw. Nichts ist ausgespart vom Leben und in all dem hinein gibt Gott die Zusage: Ich bin mit dir. Diese Botschaft hat mit Verheißung zu tun. Normalerweise erzählt jemand eine Geschichte, oder Erfahrung weil er so oder anders davon bewegt ist, und er erzählt die Geschichte oder die Erfahrung, die er gemacht hat, weil er auch seine Zuhörer/innen oder Leser/innen so oder anders bewegen, in das Geschehen einbeziehen möchte. So ist es auch mit den biblischen Schriftsteller/innen oder Verkündern der Frohbotschaft. Oft hören wir Menschen sagen: aber die Bibel ist in einer ganz anderen Welt vor so langer Zeit entstanden. Kann sie uns heute trotzdem noch was sagen? Es geht nicht darum, alle Einzelheiten zu verstehen. Es geht nicht darum, genau zu wissen, was damals „passiert" ist. Es geht eigentlich darum, dass wir uns von diesen Erzählungen im Herzen treffen lassen, bewegen lassen, dass mit uns etwas „passiert", innere Verwandlung in Gang gesetzt wird.

Unsere zentrale Wahrheit als Christen ist, dass Gott sich selbst in Jesus Christus und im Heiligen Geist uns Menschen zugesagt hat. In Jesus Christus offenbart sich in einem menschlichen Gesicht ein Gott, der im innersten Wesen Liebe ist und diese Liebe in unsere Welt einströmen lassen will. (vgl. Joh 3,16)
Im Leben und Sterben des Jesus von Nazareth, in seinem Reden und Handeln können Menschen die Kraft des Geistes spüren. In der Hingabe seines Lebens am Kreuz haucht Jesus den Geist in die Welt und er wirkt in der Welt weiter.
Wenn wir unser ganzes Leben unsere Glücksmomente und Nöte, unsere Licht und Schatten, Höhen und Tiefen, ja unser ganzes Leben mit Gott in Verbindung bringen, kann sein Geist auch unser Herz verwandeln und es kann etwas von der neuen Wirklichkeit der Welt Gottes spürbar werden in unserer Welt. Von der Gottes Seite her ist uns die Zusage der Gabe
Schon im Ersten Testament vor weit mehr als 2000 Jahren lesen wir beim Propheten Ezechiel (36, 26) Ich schenkte euch ein neues Herz. Und legen einen neuen Geist in euch.
Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich finde diese Botschaft, die Ezechiel verkündet hat, immer noch höchst aktuell, denn es mangelt nicht an Wissen, damit das Leben glücklicher wird. Es mangelt nicht an Nahrungsmitteln, damit alle Menschen sich sattessen können. Es mangelt nicht an Wissen, wie wir unsere Umwelt schützen könnten und doch beuten wir sie weiterhin aus. Wir kennen das Problem der Umweltzerstörung und ihre Folgen. Es mangelt nicht an guten Ideen, damit überall Friede herrschen kann. Es mangelt nicht an Vorschriften, damit allen Gerechtigkeit geschieht. Es mangelt an guten Herzen. Es mangelt an der Liebe. Es mangelt am Tun.
Wie oft erlebe ich, dass ich das Richtige, das Gute weiß, es aber nicht zustande bringe. Weil es nur mein Verstand erfasst hat. Mein Herz aber nicht, denn es ist mit den Worten des Ezechiel zu sprechen, steinern. Die Welt braucht Menschen, die mit dem Herzen leben. Die herzlich sind. Die ihr Herz sprechen lassen, denn man sieht nur mit dem Herzen gut, sagt der kleine Prinz in einer Erzählung von Exupery.
Ein Zitat von Mutter Theresia von Kalkutta, ich glaube sie sagte es bei der Verleihung vom Friedensnobelpries 1979, kann den Gedanken ganz ins Praktische hinüberführen: „Ein kleines Lächeln vielleicht; ein kurzer Besuch; einfach helfen, Feuer zu machen; für einen Blinden einen Brief schreiben; ein paar Eimer mit Kohlen hinauftragen; ein Paar Schuhe finden; jemandem vorlesen: Das ist wenig, ja ganz wenig, aber es wird unsere Liebe zu Gott in die Tat umsetzen. Auch wenn wir in diesem Jahr weniger Geld zusammenbringen, viel weniger Geld, aber dafür mehr von der Liebe Christi verbreiten und ausstrahlen – wenn wir dem hungernden Christus nicht nur ein wenig Brot geben, sondern auch ein wenig von unserer Liebe, von unserer Gegenwart, von unserer Gemeinschaft, dann könnte dieses Jahr das Jahr der lebendigen und wirklichen Explosion der Liebe sein, die Gott für die Welt hat".
Sie redet in ihrem Kontext, sie redet von ganz einfachen, kleinen Dingen, die jede/r tun kann. Der größte Teil unseres Lebens spielt sich ja zwischen vielen kleinen alltäglichen Dingen ab. Wir können auf unseren Alltag schauen und in die Tat umsetzen.
Wer also ist beauftragt das Evangelium, das Wort Gottes in die Tat um zusetzten, damit die Liebe, die Gott für die Welt hat, spürbar wird?
Da lasse ich Hannelore Maurer, aus München sprechen.

Zum Beispiel: Du!

Zum Beispiel Du
kannst das Evangelium
mit deinen Lebensfarben ausmalen
und selber zu einem Bild werden
das die Welt farbig macht
denn nur du allein
kannst die Farben mischen
die deine Augen geschaut haben.

Zum Beispiel Du
kannst Gottes Melodie
mit deinen Tönen singen
und selber zu einem Klang werden
der die Welt in Schwingung bringt
denn nur du allein
hast die Noten und Töne
die du im Inneren vernommen hast.

Zum Beispiel Du
kannst die Welt formen
mit der Kraft deiner Hände und Gedanken
und selber zu einem Ausdruck werden
der in der Welt sichtbar wird
denn nur du allein
kannst schenken
was dich bewegt.

Zum Beispiel Du
kannst die Frohe Botschaft
hineinbuchstabieren in deine Zeit
und selber zur Sprache werden
für die Menschen die warten auf etwas
das dem Leben Hoffnung gibt
und Sinn verleiht
denn nur du allein
hast die Worte für das
was sich dir erschlossen hat.

Zum Beispiel Du
bist dazu gerufen,
denn die Liebe ist dir
auf den Herzensgrund gelegt.
                                       Hannelore Maurer, München

Zwei Aspekte erscheinen mir heutzutage ganz wichtig zu sein, damit das diözesane Jahresthema „Wir glauben, darum reden wir – durch Wort und Tat" von uns wirklich in die Tat umgesetzt wird. Erstens ist heute der Aspekt der personalen Aneignung des Glaubens und die personale Weise des Glaubensvollzugs bedeutungsvoll. Der eigenen Glaubensgeschichte muss vermehrte Bedeutung zukommen und zwar die Gotteserfahrung im eigenen ER-Leben entdecken und ihr Raum geben und in Wort und Zeichen bzw. Taten Ausdruck verleihen. Eben die eigene Lebensgeschichte als Ort von Entwicklungen und Scheitern, Brüchen und Kontinuitäten, als Ort von Glauben, Zweifel und Unglauben sehen aber auch Gottes Dabeisein und mitgehen, trotz allem. Der zweite Aspekt, der in unserer Zeit immer wichtiger wird, ist darüber auszutauschen und sich gegenseitig zu stärken.

Mein Wunsch an sie und mich ist, dass wir Gottes Wirken in unserem Leben immer mehr entdecken und so mehr und mehr imstande werden die Liebe, die Gott für die Welt hat, in unserer Welt spürbar werden lassen.


Sr. Johanna Siller SDS

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