Salvatorianerinnen in Südtirol

Unsere Sorge gilt stets dem Heil des ganzen Menschen ...denn die Liebe Christi drängt uns

Wir glauben, darum reden wir

 

Vor einiger Zeit habe ich einen Satz gehört, der nun immer wieder in meinen Gedanken auftaucht. Ich möchte diesen Satz und die Gedanken dazu heute mit ihnen teilen.
Der Sinn des Lebens ist Wachstum. Leben ist Veränderung. Leben ist Vergänglichkeit. Wir Menschen werden geboren und wir wachsen. Wir wachsen natürlich auch schon im Mutterleib und machen dort die ersten Erfahrungen von Wachstum, Veränderung und auch Vergänglichkeit, denn wenn es zu eng wird, müssen wir den Mutterschoß verlassen. Diese Erfahrung ist tief in uns eingeprägt und auf unserem Weg zur Menschwerdung werden wir immer wieder daran erinnert und es hat viele Auswirkungen auf unsere Entscheidungen in unserem Leben. Die Fragen die uns das Leben immer wieder stellt gehen in diese Richtung. Was ist wachstumsfördernd in meinem Leben, wo darf Veränderung geschehen und was ist an der Zeit auch loszulassen. So kann es vielleicht sein, dass ich spüre, dass etwas nicht in Ordnung ist, dass ich irgendetwas verändern soll, dass irgendetwas nicht mehr stimmig ist. Es kann sein, dass wir uns über diese Gedanken wundern und uns sagen, naja es passt ja doch noch oder ich darf nicht unzufrieden sein, ich soll dankbar sein für das was ist. Und so kann es sein dass wir mit der Zeit in einen Konflikt kommen. Auf der einen Seite gibt es den Rahmen wo wir uns auf etwas eingelassen haben, auf eine Beziehung zum Beispiel und diese Beziehung hat Regeln. Wir sind in einem Beruf, am Arbeitsplatz und dort gibt es Vorschriften und Gesetze. Und so gibt es jeden Tag das Gleiche und irgendwie spüren wir etwas in uns was uns anstößt und unruhig werden lässt. Im Grunde wissen wir aber nicht was es ist.
Es kann sein, dass wir eine große Sehnsucht in uns spüren oder von einer Unruhe oder Hektik erfasst werden. Es dehnt sich ein Gefühl in uns aus, dass beachtet werden möchte. Schnell gehen dann unsere Strategien ins Äußere. Wir essen viel oder ganz wenig, wir haben viele Beziehungen, wir machen Karriere, haben das neueste Smartphone, machen alle möglichsten Dinge, eilen von einem Termin zum Anderen. Wir machen viele Erfahrungen und irgendwann werden wir feststellen, dass diese Unzufriedenheit, diese Unruhe, diese Sehnsucht, vielleicht auch Traurigkeit einfach bleibt. Es bleibt ein gewisser Grundton der ständig da ist.
Ich denke diese Situation kennt jeder und wir alle machen diese Erfahrungen und kommen zu dem Punkt wo wir uns fragen. Wo stehe ich eigentlich und wo möchte ich hin. Denn der Sinn des Lebens ist Wachstum und Veränderung. Wir können keine bestimmte Form einnehmen und dann diese Form einfach halten. Die Natur ladet uns ein, immer wieder darauf hin zu schauen auf Wachstum, Veränderung und Vergänglichkeit. Auch wir Menschen können es spüren, wie die Bäume und die Sträucher die abgeschnitten werden wenn sie zu hoch werden. So kann man nach Wachstum und Veränderung streben solange man möchte – aber es wird sich nicht erfüllen. Es kann sich nicht erfüllen solange man nicht von der Form und den Äußeren Strategien weggeht.
Durch Jesus werden wir in der Bibel dazu aufgerufen. „Kehrt um, und schaut nach Innen". Jesus möchte das Innerste des Menschen erreichen. Wir sind viel mehr als wir im Äußeren meinen zu sein. Wir sind unterwegs zum waren Menschsein durch Wachstum, Veränderung und Vergänglichkeit. Wir leben zwischen den beiden Polen, zwischen unserem göttlichen Wesen und unserem menschlichen Leben. Oft meine ich sogar auch etwas gefangen zu sein im menschlichen Dasein.
Es liegt an mir, es liegt an meiner Entscheidung stehen zu bleiben und auf meine Situation zu sehen, meinen Gefühlen Beachtung zu schenken. Einen neuen Weg zu öffnen um zu wachsen und zu wissen, wenn ich dies tue kann etwas Neues entstehen. Wenn ich umkehre und nach Innen schaue, so wie Jesus es uns gelehrt hat.
In verschiedenen Bibelstellen lesen wir, wie Jesus immer wieder sich zurückgezogen hat um mit dem Vater Eins zu sein. Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins."
Ich halte an und beobachte was ist in meinem Inneren los. Was bewegt mich und wofür entscheide ich mich. Die Achtsamkeit ladet uns ein, ganz Gegenwärtig zu sein. Die Übung der Achtsamkeit ist eine Übung des Anhaltens. In der Kontemplation komme ich zur Ruhe und verbinde mich mit Gott und werde eins.
Meister Eckhart formuliert es noch einmal etwas anders in dem er sagt: „Gott und ich – wir sind eins. Er wirkt und ich werde."
So einfach das Gesprochene nun klingen mag, im Alltag und in den spirituellen Übungen ist es oft gar nicht so leicht. Sinn dieser Übungen ist das Anhalten und das Wahrnehmen. Es ist also eine Übung des Anhaltens. Doch wenn wir einmal angehalten haben und in die Stille gehen, dann werden wir bald erkennen dass es gar nicht so einfach ist, dass es uns gar nicht richtig gelingt anzuhalten. Ich sitze zwar in Ruhe aber in meinem Kopf geht es weiter. Es kommen tausend Gedanken und Gefühle hoch. Der Körper gibt mir ständig den Impuls mich zu bewegen, mich zu kratzen, am Platz zu rutschen, die Hände zu bewegen,.... spätestens nach 5 Minuten merken wir dass es sehr schwer ist anzuhalten und wir an sehr vielem festhalten.
Und doch wird es uns geschenkt in unserem Sehnen und Ahnen von der Verbindung mit Gott, wir spüren eine Kraft, eine Energie die sich in uns ausbreitet. Unser göttlicher Kern fängt zum Leuchten an. Nur in der Stille findet Wachstum statt. Und so kann sich erfüllen, was Meister Eckhart gesagt hat. „Gott und ich – wir sind eins. Er wirkt und ich werde."
Natürlich hat aber nicht jeder die Möglichkeit an einem Kontemplationskurs teilzunehmen wo man in die Stille hinein begleitet wird. Auch findet man nicht immer den Raum zu Hause und Menschen die uns dabei unterstützen. Auch werden wir merken, dass das schwierig ist im Alltag, weil uns Dinge, Sachen und Menschen davon abhalten. Doch wenn ich mich ganz dafür entscheide und durch Leiden, Sehnsucht oder Unzufriedenheit in mit der Wunsch nach Veränderung ist, dann ist das ein guter Anfang und ich werde einiges versuchen auch wirklich stehen zu bleiben.
Dieses Anhalten kann sich dann vielfältig in unserem Alltag gestalten. Es können ganz gewöhnliche Dinge sein, wo wir den Mut haben Tätigkeiten als Ritual zu sehen und zu verstehen. Das Göttliche hinter den Dingen zu erkennen und bewusst mit Gott in Verbindung zu gehen. Wenn ich am Morgen mich zum Frühstück setze, tagsüber ganz bewusst eine Tasse Tee trinke, oder wenn ich auf den Bus oder Zug warte, sogar beim Gehen kann ich in eine tiefe Verbindung mit meinem Inneren eingehen und ganz zu mir kommen. Es geht darum wie bewusst ich die einzelnen Dinge mache und da kommt es nicht auf große Begebenheiten an, sondern um ganz einfache Handlunge, wie zum Beispiel, wie mache ich die Tür zu oder begrüße jemanden. Achtsam gegenwärtig sein und daraus Kraft für den Alltag holen.
Diese Achtsamkeit gibt unserem Alltag eine spirituelle Dimension und heiligt ihn.
Wenn es uns tatsächlich gelänge unser Leben als Ritual zu verstehen und wir das Göttliche hinter den Dingen erkennen, dann würde unsere Welt, unsere Familien, unserer Gemeinschaften anders aussehen und wir würden unsere Leben bewusster leben.
Achtsamkeit gibt unserem Alltag eine spirituelle Dimension und heiligt ihn. Achtsamkeit hilft uns, unser Leben von innen her zu leben, statt von außen getrieben zu sein. Doch in unserer heutigen Gesellschaft werden wir geradeso von außen her getrieben, durch die vielen Medien, den öffentlichen Lautsprecheranlagen, wir umgeben uns aber auch ganz bewusst von Lärm der getarnt ist als Musik, Nachrichten, Fernsehsendungen, usw. Es sind die Barrieren unserer Seele, die uns davon abhalten uns selber zu hören, unser Inneres zu erlauschen. Doch die Nahrung für unsere Entwicklung zum wahren Menschen finden wir in der Stille – finden wir in uns selber. Solange wir nicht still werden, schweigen und lauschen, werden wir niemals verstehen, was wirklich vor sich geht – was in uns los ist. Oft fürchten wir uns vor der Stille, denn sie lässt uns erkennen, wovon wir besetzt sind und sie erinnert uns daran, was wir in uns noch nicht erlöst haben. Da können wir uns dann noch so viele Stunden damit Beschäftigen, dass Wesentliche werden wir nicht erfahren.
Die Stille kann der größte Lehrmeister sein für unser Leben. Sie zeigt uns was wir noch werden können. In der Stille höre ich das Wort Gottes und nur in der Stille findet Wachstum statt.
Da kann es dann schon einmal sein, das wir über uns selber hinauswachsen wenn wir es schaffen, nicht mehr jeden Moment, jede Person, jedes Ereignis und jede Erfahrung für uns selbst einzunehmen, dann kann Gott sich in uns ausbreiten. Ich bin jeden Tag eingeladen mehr über mich hinauszuwachsen, dass in meinem Inneren Gott sich schweigend ausbreiten kann.
Ich kann dann mein Leben aus meinem Inneren heraus leben und mein Alltag bekommt eine spirituelle Dimension.
Wir können nicht auf die Fülle des Lebens hoffen, ohne die Fülle unserer Seele, die Fülle unseres Inneren zu fördern. Wir können nicht andere verändern ohne das wir uns selber verändern. Wir sind eingeladen das Göttliche hinter den Dingen zu erkennen und bewusst mit Gott in Verbindung zu gehen damit wir über die Ebene des Gewöhnlichen hinauswachsen und Befreiung erleben.
Ich wünsche uns eine achtsame Zeit und den Mut unser Leben von innen her zu leben.
Es grüßt sie recht Herzlich Sr. Renate Koppenberger SDS

 

 

 

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