Salvatorianerinnen in Südtirol

Unsere Sorge gilt stets dem Heil des ganzen Menschen ...denn die Liebe Christi drängt uns

Wir glauben darum reden wir

 

In meiner Arbeit als Krankenschwester bin ich sehr oft mit Situationen konfrontiert, die mir so manche Gedanken auferlegen...Situationen, die mich herausfordern und mich über meinen kleinen, selbstgemachten Horizont hinausschauen lassen. Wenn ich so ganz ohnmächtig und verwirrt bin, dann lese ich am Abend gerne in der Bibel und hole mir Kraft aus dem Leben Jesu. Wie war sein Verhältnis zu Kranken und Krankheiten? Viele Geschichten in der Bibel erzählen davon, dass Kranke, Taube, Blinde, Lahme und Stumme Jesus nachgelaufen sind, um von ihm Heilung zu erfahren. Aber was meint die Bibel mit den immer wieder anwesenden Kranken, die Jeus suchen? Aus welchem Grund suchen Menschen also Jesus? Tun sie es bewusst, weil sie von Jesus gehört hatten oder suchen sie einfach nur weiter um Hilfe, weil Menschen mit ihrem damaligen Wissen nicht mehr helfen konnten, weil die damalige Gesellschaft keine Antwort mehr geben konnte? Das logisch-begründete Denken in der Gesellschaft brachte keine Heilung. Dort wo Menschen enttäuscht wurden, wächst die Suche nach alternativen Heilverfahren. So war es damals und so glaube ich ist es auch heute noch. Kranke und Leidende sind immer auf der Suche nach Jemand oder nach Etwas, das Heilung bringen kann. Im Grunde genommen sind wir immer heilungsbedürftig. Geist und Körper gehören zusammen und so glaube ich, dass gerade in den biblischen Heilungsgeschichten wir uns auch heute fragen dürfen: Wie können wir das Wort Gottes mit unserem inneren Kern in Verbindung bringen, wenn wir leiden oder krank sind?
In der Bibel geht es sehr oft um das Thema "hören und sehen". Jesus öffnet den Kranken die Ohren, damit sie wieder hören können. Jesus öffnet den Blinden die Augen, damit sie wieder sehen können. Sie kennen sicher auch noch den einen oder anderen Vers aus der Bibel, wo es um das Thema Hören oder Sehen geht. Meine persönliche Lieblingsstelle in der Bibel zu diesem Thema ist aus dem Evangelium nach Matthäus, wo es heißt: Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen, weil sie hören und doch nicht hören.
Ich finde diese Aussage von Jesus sehr herausfordernd. Ich denke, dass wir Menschen in und für viele Situationen taub sind. Wir verschließen uns und möchten nichts davon wissen, nichts darüber hören. Kinder stecken sich oft die Finger in die Ohren, um nicht hören zu müssen. Auch wir als Erwachsene kennen Situationen/Gespräche, wo wir uns die Ohren zuhalten, wo wir uns taub stellen. Der eine kann lange reden, der andere hört auch zu, aber wenn man es gut beobachtet, kann man erkennen, dass der andere gar nicht einmal weiß wovon gesprochen wird. Man verschließt sich, weil man das jetzt nicht hören möchte. Vielleicht möchte man auch lieber nur logisch-begründete Sachen hören. Ich verschließe mein Ohr und meine Augen für Dinge, die mich berühren könnten und ich lasse es nicht zu, dass ich mich berühren lasse. Ich mache mich selber taub und blind. Ich merke, dass es besonders beliebt ist in der heutigen Gesellschaft, sich taub oder blind zu stellen – sich zu betäuben, die Augen zu verschließen. Die Menschen laufen zwar nicht mit den Fingern in den Ohren umher, heute sind die Kopfhörer, die sehr beliebt sind. Auch für gesellschaftliche Themen kommt es vor, dass so manche die Ohren verschließen und sich taub stellen anstatt eine konkrete Antwort zu geben. Oft werden die Augen verschlossen, um die Realität, das Leid von heute nicht zu sehen.
Viele Leute wollen heute von Gott und der Bibel nichts hören und nichts sehen und doch haben viele die Sehnsucht, mit ihrem Inneren angenommen zu werden, wirklich gehört zu werden und so gesehen zu werden wie sie sind. Sie haben die Sehnsucht im inneren Kern Heilung zu erfahren und angenommen zu werden.
Nach unserem Verständnis sind Religion und Kirche für die Seele zuständig, die Medizin und die Pflege für den Körper, den Leib. Doch dieses Trennen von Leib und Seele ist nicht mehr aktuell, entspricht auch nicht mehr den aktuellen Forschungen in der Medizin. Die Ganzheitlichkeit, das Zusammenwirken von Leib und Seele wird immer verständlicher und auch immer mehr praktiziert.
Jesus hatte eine ganz bemerkenswerte Art Kranke zu heilen. Er war darauf bedacht, die innere Einheit des Menschen wieder herzustellen. Er suchte allen Menschen mit Würde und Achtung zu begegnen. Jesus hatte eine ganzheitliche Auffassung vom Leben. Heute sind wir eingeladen, uns nicht nur zu wundern über die Taten Jesu, über das was er alles geheilt hat sondern wir sind eingeladen, damit das, was damals geschah, an uns heute geschieht. Wir sind eingeladen unsere Wunden wahrzunehmen und vor Jesus zu halten. Jesus weckt immer die heilende Kraft im Menschen auf, auch heute und davon bin ich überzeugt. Jesus lädt uns ein, unsere ganze Lebenswirklichkeit ihm hinzuhalten und in der Begegnung mit ihm seine heilende Berührung und seine heilenden Worte zu erfahren.
So denke ich ist der Satz sehr passend: „Wer sich in die Nähe Gottes begibt, der kann Wunder erleben". Eine Berührung mit Jesus kann vieles bewirken.
Ich kann mich immer wieder fragen: Gibt es in mir etwas Unberührbares, das Heilung braucht oder krank, das gesund werden möchte? Hinter jedem körperlichen Schmerz kann sich auch etwas anderes verbergen wie z.B. Gefühle, mit denen wir nicht mehr in Berührung sind oder Aggressionen, die unterdrückt werden. Wir verschließen manchmal unsere Ohren vor Anschuldigungen, Forderungen und werden taub und verschließen unseren Mund. Wir werden sprachlos und wir kennen auch so manches, das uns verstummen lässt. An dieser Stelle lade ich Sie ein sich zu hinterfragen, in welchen Situationen bin ich taub geworden, wo verstumme ich und wo verschließe ich die Augen und werde blind? Heilungsgeschichten sind Hoffungsgeschichten.
Sind Ihnen Situationen, Gespräche eingefallen, wo Sie verstummten oder gelähmt geblieben sind? Nicht nur die Bibel erzählt von Menschen, die Heilung erhoffen. Wir alle kennen sie aus unserer persönlichen Lebensgeschichte. Wir alle sehnen uns in manchen Stationen in unserem Leben nach Heilung, danach dass uns jemand berührt und uns eine Zusage gibt.
Heilungsgeschichten sind Hoffnungsgeschichten und ich denke, dass wir alle Situationen finden, wo uns jemand berührt hat, wo uns jemand eine Zusage gab. Es sind nicht immer spektakuläre und große Ereignisse. Oft sind es Begegnungen mit Menschen, die wir schon lange nicht mehr gesehen haben, wo sich sofort ein Gespräch ergibt und wir uns öffnen und in einer vertrauten Atmosphäre uns hingeben und von unserem Inneren erzählen können. Es kann sein, dass wir eine Erfahrung machen und plötzlich Dinge mit ganz anderen Augen sehen, uns die Augen geöffnet wurden für etwas Wunderschönes. Wir merken sehr schnell, wenn uns ein Mensch wohlwollend und liebevoll anschaut oder uns berührt, wie gut das tut. Wenn wir bei einer Tätigkeit, die uns etwas lähmt, ermutig werden und uns ein Ja zugesprochen wird, ohne dass auf Leistung und Erfolg geschaut wird, ohne dass Vergangenes hervorgeholt wird, auch das tut uns gut. Und ich denke, genau so hat Jesus die Menschen berührt und heil gemacht, indem er ihnen einen Raum des Vertrauens gegeben hat. Er hat diese Menschen unter den großen Menschenansammlungen gesehen und gerufen. Er hat sie wahrgenommen und ernst genommen in ihrer Situation. Das alleine hat schon bei vielen eine Freude, Begeisterung und eine Stärkung ihres Selbstwertes gebracht. Für Jesus war es wichtig, dass jeder, auch die Kranken und Verstoßenen, die Alten und die Schwachen vor Gott Würde haben und ein Teil der Gemeinschaft sind.
Mich fasziniert es immer wieder, welche Tiefe die Geschichten in der Bibel haben. Und ich staune weil, obwohl sie vor über 2000 Jahren geschrieben wurden, noch immer eine aktuelle Botschaft für uns heute haben. Es berührt mich, wenn ich plötzlich merke, dass ein Teil der Bibel meine momentane Lebenswirklichkeit wiederspiegelt und ich darin auch einen Weg sehe, der für mich geh-bar ist, weil er eben schon von vielen Menschen auch gegangen worden ist. Es gibt mir sehr viel Kraft wenn ich am Abend in der Bibel noch das eine oder andere Kapitel lese. Manchmal begleitet mich dann die am Vorabend gelesene Stelle über den ganzen nächsten Tag und ich bringe sie in mein Leben. In meinem Beruf als Krankenschwester und auch in meinem Alltag bin ich auf die Hilfe angewiesen und heilungsbedürftig. So gibt mir die Auseinandersetzung mit den Texten der Bibel diese Kraft, mich einzulassen und mich immer mehr mit meinem inneren Kern berühren zu lassen.
Ich wünsch Ihnen, dass Sie sich berühren lassen können von Texten der Bibel und den Geschichten, die das eigene Leben schreibt. Dass Sie immer wieder den Raum des Vertrauens bekommen, um sich zu öffnen und um Gelähmtes wieder in Bewegung zu bringen. Heilungsgeschichten sind Hoffnungsgeschichten und den Mut zur Hoffnung... den wünsche ich Ihnen.
Sr. Renate Koppenberger SDS

 

 

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