Suore Salvatoriane in Südtirol

La nostra attenzione é sempre rivolta alla salvezza dell´uomo

„Damit sie das Leben in Fülle haben“

Die Freude überwog – bei der 43-jährigen promovierten Betriebswirtin aus dem Nonstal ebenso wie bei ihren 20 Mitschwestern. „Io sono la luce del mondo“ und „Io sarò con te sempre“, diese beiden Bibelstellen aus Johannes 8,12 und Jesaja 43 hat die 43-ährige als Leitsätze für diese Wegstrecke von der ersten bis zur Ewigen Profess frühestens in fünf Jahren gewählt. Und sie wird diesen Zuspruch wohl gut brauchen können – sowohl für ihr Leben in der Gemeinschaft als auch für ihren persönlichen Lebens- und Glaubensweg.
Sr. Lia bekannte sich bei ihrer ersten Profess am Sonntag vor ihrer Gemeinschaft zu den drei Ordensgelübden: Gehorsam, Keuschheit und Armut. Aus der Hand ihrer Provinzleiterin, Sr. Edyta Grzesiuk, empfing sie das Kreuz und die Lebensregeln der Salvatorianerinnen. Das Kreuz steht als Zeichen der Verbundenheit mit Christus, die Lebensregeln, auch Konstitutionen genannt, hat Sr. Lia in der Zeit ihres Noviziates kennengelernt und studiert. Mit der ersten Profess wird sie diese Lebensregeln nun konkret zu leben und zu eruieren versuchen, ob das Lebensmodell einer salvatorianischen Ordensfrau für sie das angestrebte Ziel sei. Bis zur endgültigen Entscheidung ist dies eine Art Probezeit für die Betroffene, aber auch für die Gemeinschaft, im Hier und Jetzt das Miteinander und das Bezeugen, Koinonia und Martyria, entscheidende Werte der salvatorianischen Spiritaualität, zu üben. Bischofsvikar Michele Tomasi zeigte in seiner Predigt sinnträchtig die Parallelen auf, die zwischen den Tageslesungen, dem Evangelium und der Lebensregel der SalvatorianerInnen bestünden: „Die Bibel beinhaltet nicht nur eine gute Nachricht im journalistischen Sinn, sondern bietet konkrete Lebensanweisungen im Alltag in der Gemeinschaft“, sagte Tomasi. Der Weg der Salvatorianerinnen ist in der Tat einer mitten in der Welt unter den Menschen. Hier gilt es, die Sendung zu leben.
Die Gemeinschaft als Korrektiv

Wer glaubt, Ordensfrauen stünden Tag und Nacht 365 Tage lang und ebenso viele Nächte in direkter Verbindung mit Oben, irrt gewaltig. Tabor und Golgotha liegen auch in einem solchen Lebensentwurf eng beieinander. Und die Suche nach Gott endet mit dem Weihegelöbnis keineswegs. Ganz im Gegenteil, aber es ist ein erster Schritt auf ein großes Ziel hin. Und das nötigt Respekt ab, aber verleiht auch Mut und Zuversicht. Mut und Zuversicht wird Sr. Lia für ihren persönlichen Lebensplan ganz gewiss benötigen, um die Gewinndividende der Wirtschaftswissenschaftlerin mit der Liebesdividende einzutauschen, die Pater Jordan, der Gründer der SalvatorianerInnen mit seinem Leitsatz „Omnibus ubique“ – allen und überall helfen – vorgelebt und eingefordert hat. Da mag es für Sr. Lia vielleicht doch eine kleine Hilfe sein, wenn sie meint. „Wirtschaft habe ich studiert, um die Ungerechtigkeiten in der Welt besser zu verstehen und zu analysieren.“
Neben der Treue Christus gegenüber gibt es für die durch und durch sozial eingestellte Nonsbergerin auch die Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber. Ihre älteste Mitschwester, Sr. Virginia aus Benevento, ist 94 Jahre alt, eine liebevolle Frau, die trotz schwerer Krankheit viel Heiterkeit und Lebensfreude ausstrahlt. Von ihr wird Sr. Lia die Gelassenheit des Alters lernen dürfen. Jünger als Sr. Lia ist lediglich ihre Oberin, Provinzleiterin Sr. Edyta Grzesiuk. Eine Mitschwester, eine Englischprofessorin aus Bari, ist eine Mittvierzigerin. Der große überwiegende Teil der Schwestern der Salvatorianerinnen in Meran gehört aber – wie in Gottes Kirche in Europa der 60++-Generation an, eine Herausforderung für Sr. Lia und ihre Handvoll jüngeren Mitschwestern, deren Auswirkungen noch schwer abschätzbar sind. Die Weisheit des Alters und die Frische der Jugend, das sind zwei Pole, die auch oder besser: gerade in einer Ordensgemeinschaft, in der einzig der Glaube Kitt ist, in Einklang zueinander gebracht werden müssen.
Auf Sr. Lia, die künftig in der Antoniusklinik in Meran/Obermais arbeiten wird, wartet also eine spannende Zeit.

Gloria Auer